Was im Februar mit Tourenplanung und Hotelbuchungen begann wurde nach Wochen schönster und freudvoller Erwartung endlich gestartet. Am Sonntagmorgen treffen sich in Sissach Beat/Gina, Tommy/Evelyn, Fronk/Carmen und LX/Susi.
Die Bikes sind schwer beladen und die Augen glänzen. Vorgenommen haben wir uns rund um die 1‘700 Kilometer, 34 Pässe sowie knapp 60‘000 Höhenmeter. Nicht allzu spassig die direkte Anfahrt über die Autobahn nach Sta. Maria ins Hotel Stelvio. Zum Glück lässt sich mittlerweilen die grösste Baustelle der Schweiz (Zürich) problemlos umfahren und auch schönster Sonnenschein trägt dazu bei, dass der Wolfgangpass, der Flüela und der Ofenpass so richtig genossen werden können. Am Zielort geniessen wir ein Bierchen in der Sonne, später ein prima Abendessen und den Schlummi genehmigen wir uns in der «smallest Whisky Bar on earth».
Am Tag zwei unserer Tour beweisen wir uns selbst, dass wir zwar eine gut funktionierende Truppe sind, aber auch, dass wir individuell und situativ handeln können: Beat wollte sich das Stilfserjoch und den Gavia-Pass nicht unbedingt zumuten und wählte die Route durchs Vinschgau über Meran nach Tramin. Die verbleibenden 3 Teams meistern folgende Höhepunkte in dieser Reihenfolge: Tauferspass, Solda, Stelvio, Gavia, Passo di Tonnale und den Mendelpass. Riesiges Glück haben wir auf dem Gavia. Strassenreparaturarbeiten lassen ein Passieren des Passes nur zwischen 12 und 13 Uhr zu - dann erst wieder ab 17 Uhr. Um 11:45 reihen wir uns in die Warteschlange ein, können aber schon bald einmal weiterfahren. Uff, das war knapp. Auf der Abfahrt vom Gavia zeigen sich erste, hartnäckige Wolken. Es sind dies die Vorboten des Wetterwechsels, den wir zu erwarten hatten. Das Mittagessen in der unscheinbaren Beiz «Albergo passo Pietra Rossa» in Ponte di Legno liess uns die «Italianità» erleben: Herzlichste Bedienung, bestes Essen, üppige Portionen - schlicht italienische Wohlfühlatmosphäre. Fährt man also den Gavia runter, sollte man hier mindestens einen Espresso sürpflen. Unser Ziel, Termeno, erreichen wir mit mehr oder weniger trockenen Pneus. Erwartet werden wir schon von Beat/Gina, welche auf der Anreise in Meran noch einen Sightseeing-Stop eingelegt hatten. Im Tirolerhof lassen wir uns verwöhnen. Weniger nett zeigt sich Petrus, der uns am Morgen mit nasskaltem Wetter begrüsst. Jetzt entscheiden sich Tommy und Beat für die schnellere Route zum Antholzer See. Fronk und LX - von unbändigem Optimismus geprägt - wollen aber das volle Programm mit den 9 Pässen abwedeln: San Luganopass, Passo di Pramadiccio, Lavaze-Joch, Passo di Lavazé, Karerpass, Rosengartenstrasse, Nigerpass, Grödnerjoch, Campolongopass und der Giau, mit 2230 MüM das Dach der heutigen Tour werden mal im Schiff, mal bei wenigen Sonnenstrahlen bewältigt. Zu gerne hätten wir im Abendrot den Rosengarten leuchten sehen. Allein, die imposanten Berge hüllten sich in Wolken. Immerhin wurden die Pneus unserer Maschinen auch an den Seiten rege auf Grip getestet und eine flotte Fahrt bereitete uns Freude. Den Kaffe am Nachmittag genehmigten wir uns auf der Jausestation Muntwiesn, wo uns ein herziges, junges Kätzchen gute Laune machte. Obwohl wir hier erfuhren, dass an unserem Reiseziel nicht 4, sondern nur 3 Doppelzimmer für uns bereit standen, genossen wir den weiteren Verlauf der Route in vollen Zügen. Der Rezeptionist entschuldigte sich aufrichtig für das Versehen und organisierte ein Doppelzimmer in ca. 2 Kilometer Entfernung. Ausserdem ermöglichte er es uns, dass wir alle zusammen das Abendessen im selben Hotel einnehmen konnten. Der Taxi-Dienst für Fronk und Carmen war ebenfalls organisiert. Das Hotel Seehaus hat somit, mit kleinen Abstrichen, unseren Hoteltest ebenfalls bestanden.
Feucht starten wir am 4. Tag und beschliessen, alle zusammen die geplante Route zu fahren. Das Wetter versprach uns, nicht allzu schlecht zu werden und so erkletterten wir den Tre Crocipass, Sant-Angelo-Pass, Drei Zinnen Bergstrasse, Passo Cimabanche, Kreuzbergpass, Antonio Passo, Sappadapass und schliesslich noch den Sella di Cereschiatis. Im Alpenhotel Plattner erholen wir uns von der anspruchsvollen Route bei vorzüglichem Essen und dann noch beim einen, oder anderen Schlummerbecher. Nach diesem Abend kennen wir nun alle den Aperol Sprizz.
Auf dem letzten Teilstück zu unserer Bleibe am Wörther See befahren wir lediglich noch zwei Pässe, den Nassfeldpass und die Windische Höhe. Die aussichtsreiche Kurvenstrecke über die Windische Höhe liegt zwischen St. Stefan im Gailtal und Zlan-Stockenboi, beziehungsweise Feistritz an der Drau. Sie hatte es insofern in sich, dass ausgerechnet auf dem steilsten Abschnitt die Strasse erneuert wird und die Fahrt somit über Schotter erfolgte. Dies bei feuchter Witterung und mit voll bepackten Harleys eine nicht ganz einfach zu lösende Aufgabe. Im Alpengasthof Windische Höhe geniessen wir das Mittagessen. Auf kurvigen Strassen geht’s weiter durch Kärnten. Schliesslich erreichen wir das Hotel Seewirt in Maria Wörth/Dellach. Hier bleiben wir für 3 Nächte und geniessen ausgesprochen gute Küche, Gastfreundschaft und nette Chef’s. Es werden die Zimmer bezogen, die Bikes auf Show-Niveau geputzt und gewienert und zugleich der Weg ins Getümmel nach Velden eingeschlagen. Dort geniessen wir den ganzen Rummel, lassen uns von prächtigen Werken auf zwei Rädern verzaubern und ärgern uns über eine extrem schlechte Bedienung in der Gartenwirtschaft des Hotel Post Wrann. Selbst nach 1 ½ Stunden warten war man noch nicht in der Lage etwas Essbares zu servieren. Umso besser dann das Nachtessen im Cafe Restaurant Pavillon! Sehr empfehlenswert.
Der Freitag und der Samstag waren geprägt von schönen Erlebnissen rund um den Faaker See und entlang der Parade. Am Freitag treffen wir ein weiteres Member der Harley-Friends, den Heiri mit Regula im Harley-Village. Freude herrscht! Heiri offeriert ganz spontan, dass er uns noch ein gutes Plätzchen reservieren könne, um die Parade zu geniessen. Gerne nehmen wir an und so treffen wir uns dann am Samstag wieder im Restaurant Tamara in Heiligen Gestade. Ohne Fronk/Carmen, welche uns ihre Eindrücke als Teilnehmer an der Parade schildern und bebildern können. Dafür erscheinen auch gleich noch ein paar Members der H.O.G. Basel Chapter. Speziell gefreut haben wir uns auch am Wiedersehen mit Rich und Rita. Haben wir doch vor einiger Zeit alle unsere Harleys noch bei ihnen in der Dealership in Aesch gekauft. Schön zu sehen, dass es ihnen noch immer prächtig geht!
Mehr als tausend Worte zum Samstag und zum Sonntag können Bilder sagen. Hierzu möge man sich einfach die Galerie reinziehen und im Hintergrund lässt man zum Beispiel «Smoke on the Water» aus den Boxen dröhnen…
Beinahe zu schnell wird es Sonntagmorgen - Zeit um die Heimreise anzutreten. Über die Grossglockner Hochalpenstrasse (ein Genuss bei diesem schönen Wetter!) mit den Pässen Hochtor und Fuscher Törl gelangen wir auf den Turnpass. Um das Etappenziel auf dem Seefelder Sattel rechtzeitig zu erreichen, müssen auch mal ein paar Autobahnkilometer eingebaut werden. Vor dem Nachtessen im Hotel Seespitz, unsere Bedienung Tom wird uns wohl noch eine ganze Weile in fröhlicher Erinnerung bleiben, machen Susi und LX noch einen Schwumm im Pool. Ausserdem haben die beiden ja noch eine ganze Woche Ferien vor sich und buchen deswegen einen weiteren Tag in Seefeld im Wellnesshotel Schönruh. Somit gilt es für LX/Susi am Montagmorgen Abschied zu nehmen und für den Rest der Reise alles Gute zu wünschen. Während Fronk/Carmen, Tommy/Evelyn und Beat/Gina auf dem direkten Weg nach Hause fahren, geniessen die zwei zurück bleibenden den (regnerischen) Wellnesstag im Hotel. Am Dienstag führt ihre letzte Etappe, jetzt wieder bei schönstem Spätsommerwetter, über die Silvretta Hochalpenstrasse und durchs Toggenburg ebenfalls nach Hause.
Vieles wird uns von dieser Reise in Erinnerung bleiben. Vor allem aber: Wir blieben unfallfrei, hatten es gut miteinander und genossen auch individuelle Unternehmungen. Und eines ist gewiss: Faak - wir kommen wieder. Wann, das wollen wir mal offen halten. Einen speziellen Dank gebührt unseren fleissigen Fotografen, die da waren Tommy, Carmen, Susi, Beat und LX. Fotos finden sich hier. Ausserdem haben mit den Hotelreservierungen und der Routenplanung Tommy und LX einiges zum guten Gelingen beigetragen.